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Geschichten

aus dem Lingenbacher Hof.

Damals

Heute morgen sehe ich einmal mehr meine junge Mutter in dem uralten Bauernhaus mitten in der Stube stehen, eine Tafel Schokolade in den Händen haltend, voller Freude und mit strahlenden Augen.

Ich bin so um die 5 Jahre alt, meine beiden kleinen Geschwister und ich schauen erwartungsvoll zu ihr auf, schauen unserer Mama zu, wie sie diese eine Tafel für uns alle gemeinsam teilen wird. Ein seltenes, sehr beglückendes Ereignis, denn wir waren arm. Vermeintlich.

Warum erzähle ich Ihnen von dieser Kindheitserinnerung? Nun, tatsächlich ist auch diese Begebenheit einer der vielen Erfahrungen, die dazu beigetragen hat, mich für die Aufgabe zu entscheiden, Sie bei uns im Lingenbacher Hof bewirten zu wollen.

Lassen Sie mich erklären. Der Lingenbacher Hof ist ja nicht "irgendeine Gastronomie", sondern Teil eines ökologischen LVR Museums mit pädagogischem Auftrag. 

Das Museum bildet den Zeitraum von ungefähr den letzten hundert Jahren ab. Gerade die Landbevölkerung war oftmals arm und litt bisweilen auch Not. Aus dieser Not heraus jedoch ergab sich ganz von selbst die Tugend, achtsam mit Lebensmitteln umzugehen.

Sicherlich kann man nicht behaupten, dass die Menschen damaliger Zeit intelligenter waren, sondern sie waren gezwungen, jede Nuss und jeden Apfel aufzuheben und zu verwerten, ein Schwein zu schlachten einmal im Jahr wurde ein großes Fest, alles, was die Landwirtschaft hergab, wurde bis ins kleinste gewertschätzt.

Lebensmittel waren niemals billig - immer aber preisWERT.

Und wie hätte es unter diesen Umständen auch zu Müllbergen und Verpackungswahnsinn kommen können?

Unser altes Haus damals  verfügte nicht einmal über sanitäre Anlagen, es gab ein Klosett im Stall, Samstags wurde mit Eimern heißes Wasser geschleppt, um baden zu können- aber niemals in meinem Leben habe ich mich jemals "arm" gefühlt, wenngleich oftmals wenig Geld zur Verfügung stand. 

Zurück zum Lingenbacher Hof. Wir begreifen uns also als Teil dieses ökologisch ausgerichteten Freilichtmuseums, mit pädagogischem Auftrag, und möchten so auch mit unserer Küche aufzeigen, dass weniger mehr bedeutet und regional erzeugte Produkte ihren Wert haben, der seinen Preis hat.

Wie sonst sollte ich den hohen Energieaufwand rechtfertigen, den das Betreiben einer Gastronomie unvermeidbar mit sich bringt?

So lässt sich auch der Eintritt verstehen, den Sie innerhalb der Öffnungszeiten entrichten müssen, um bei uns einkehren zu können - es gehört einfach dazu, eben weil der Gasthof zu dem Museum gehört und wir uns über einen Besucherstrom von jährlich um die 100.000 Gäste freuen dürfen.

Übrigens gewährt das Museum jeden ersten Freitag des Monats freien Eintritt für jedermann und sowieso reduziert sich dieser bei Besuchen mit größeren Gruppen, speziell auch bei Reservierungen  im Lingenbacher Hof. Kinder bis 18 Jahren sind frei. 

Näheres dazu erfahren Sie an der Museumskasse unter 02266 471920 oder auf der Homepage des Museums unter freilichtmuseum-lindlar.lvr.de

Hier noch eine wichtige und interessante Information, ganz gezielt für unsere Gäste aus Lindlar; wussten Sie eigentlich, dass das Museum für Sie als Bürger der Gemeinde unter Vorlage des Personalausweises ein Angebot über eine Jahreskarte macht, die nur günstige 9 € kostet? Mit dieser Karte können Sie jederzeit nicht nur die Ausstellungen während der Öffnungszeiten besuchen, sondern auch das landschaftlich attraktive und mehr als 30 ha große Gelände für Ihre Sparziergänge. Hunde sind sowohl im Museum als auch bei uns im Hof erlaubt und gerne gesehen, bringen Sie Ihren Vierbeiner einfach mit rein und machen Rast bei uns, die Küche ist während der gesamten Öffnungszeit immer auch "warm".  

Vor hundert Jahren ist die Landbevölkerung mit einer Brotzeit im Rucksack losgezogen und hat sich ein Picknick gegönnt, wenn der Arbeitsalltag ein wenig Zeit und Muße zuließ oder eben auch an den Sonntagen. Der Besuch in einem Gasthof- das war doch wie für uns als Kind die geteilte Tafel Schokolade und das war etwas ganz besonderes und hat so richtig FREUDE gemacht!

Und das ist es, was wir Ihnen, verehrte Gäste, mit einem Besuch im Lingenbacher Hof vermitteln möchten.

Es grüßt Sie für heute recht herzlich,
Ihre Ruth Zaspel